Es ist das Gipfeltreffen zweier großer Künstler: David Cronenberg verfilmt einen Roman von Don DeLillo. Der Meister des Abgründigen und der Gewaltanalyse trifft auf den Postmodernisten und Verschwörungstheoretiker. Zu diesen beiden Schwergewichten gesellt sich ein junger Schauspieler, der bisher für die „Twilight“-Saga von Teenies bejubelt wurde: Robert Pattinson. Doch besonders seine Besetzung erweist sich als großer Coup. Der Film schickt den Zuschauer auf einen anstrengenden, aber faszinierenden und erkenntnisreichen Trip.
Quelle: Programmkino.de
Eric Packer ist ein reicher, gewissenloser und zynischer Spekulant der New Economy. Er träumt von hartem Sex und geilt sich an riskanten Termingeschäften auf. Unterwegs in einer Limousine zu einem Friseurtermin, führt ihn sein Weg durch die 47. Straße quer durch Manhattan. Das Herz von New York steht an diesem Frühlingstag im April 2000 kurz vor dem totalen Kollaps. Der amerikanische Präsident ist in der Stadt, gewalttätige Globalisierungsgegner demonstrieren und der Sufi-Rapper Brutha Fez wird unter großer Anteilnahme seiner Anhänger zu Grabe getragen. Mitten durch dieses Chaos schleicht Packer mit seinen Leibwächtern und Sicherheitsbeamten, seiner Frau, seiner Liebhaberin, und seinem Leibarzt im Schritttempo voran, ohne wirklich vorwärts zu kommen - und am Ende seiner 24stündigen Odyssee durch Manhattan verliert er viel mehr.
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(…) Es wäre zu kurz gegriffen, „Cosmopolis“ lediglich als zynischen Kommentar zu Finanzkrise und ungezügeltem Kapitalismus zu lesen. Natürlich bietet der Film mit seinen artifiziellen Bildern und seiner künstlerischen Verdichtung eine eigenwillige und bemerkenswerte Interpretation der inneren Mechanismen der Finanzwelt. Vor allem aber funktioniert er als Variante eines Themas, das seine rote Spur schon seit seinen frühen Body-Horror-Filmen durch Cronenbergs Werk zieht: Gewalt. Die ist in seinen jüngeren Filmen explizit nur noch selten zu sehen – in „Cosmopolis“ etwa in einem eingespielten TV-Bericht über ein Attentat, das Packer auf seinem Monitor verfolgt. Sie hat sich gewissermaßen unsichtbar gemacht, wirkt deshalb aber nicht weniger zerstörerisch. So wie Gewalt in Cronenbergs letztem Film, „Eine dunkle Begierde“, vom körperlichen Außen in das Innen der Seele wandert und sich hier verpuppt, nur um im Ersten Weltkrieg umso monströser auszubrechen, so steckt sie in „Cosmopolis“ in den Strukturen einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft, die völlig von einer Dingwelt bestimmt wird, in der die Seele keinen Platz mehr findet. Die Gier, mit der die neue Oberschicht sich Befriedigung zu verschaffen und ihre innere Leere zu überspielen versucht, überrollt in ihrer Gleichgültigkeit zunächst die Untergebenen, bis sie sich in einer Art Selbsthass gegen sie selbst richtet. In Cronenbergs früheren Filmen zerstörte Gewalt menschliche Körper, nun zerstört sie die Seele.
Oliver Kaever
Quelle: Programmkino.de